
Appetitlich goldgelb mit Aromen indischer und asiatischer Speisen
Eine feine Kombination aus buntem Gemüse, lecker abgeschmeckter Kokoscreme mit Ingwer und Kurkuma, zu der sich mit Curry gewürzte Grießklößchen gesellen – mal was anderes!
Anstelle der einzelnen Gewürze Kreuzkümmel, Kardamom, Macis und Chili können auch zwei Teelöffel Garam-Masala-Gewürzmischung verwendet werden.
Die Grießklößchen sollten nicht zu groß geformt werden, da sie beim Garen ihr Volumen mehr als verdoppeln. Sie können auch am Vortag zubereitet werden. Dann in einem geschlossenen Gefäß im Kühlschrank aufbewahren und vorm Servieren in der Soße heiß werden lassen.
Das Gemüse wird hierfür in große Stücke geschnitten. Beim Kochen mit Knoblauch und Ingwer empfehle ich, immer halb so viel Ingwer wie Knoblauch zu verwenden. Bei vier Knoblauchzehen sollte das Ingwerstück etwa so groß sein wie zwei davon.
Wir brauchen (für sechs bis acht Portionen):
Für die Grießklößchen:
1 Ei plus 1 Eigelb (Eier Größe M)
60 ml Olivenöl
1 gehäuften EL Currypulver
100 g Hartweizengrieß
etwas Salz
Für das Gemüse in Kokoscreme:
Etwas Olivenöl mit oder ohne Butter oder stattdessen Ghee zum Andünsten
2 Limetten - abgeriebene Schale und Saft von einer, die andere zum Servieren geviertelt
1 Zwiebel - gehackt
4 Knoblauchzehen - fein gehackt
1 Stückchen Ingwer - fein gehackt
2 EL Kurkuma
1 Dose Kichererbsen (Abtropfgewicht: 265 g ) - abgetropft und abgespült
250 g Brokkoli - geputzt und in Röschen geteilt, Stiel geschält und klein geschnitten
250 g Blumenkohl - geputzt und in Röschen geteilt
1 bis 2 Süßkartoffeln, insgesamt etwa 700 g - geschält und gewürfelt
150 g Cashewkerne
Salz, Pfeffer
1 TL Kreuzkümmel
1 TL Kardamom
1 TL Macis (gemahlene Muskatblüte)
optional: Chiliflocken nach Geschmack
300 ml Gemüsebrühe
400 ml Kokosmilch
Salz, Pfeffer
optional: frische Kräuter zum Servieren - Dill, Petersilie oder Koriander
So geht's:
Für die Grießklößchen in einer Schüssel Ei, Eigelb und Öl vermengen. Currypulver nach und nach hineinrühren, sodass es sich gleichmäßig auflöst. Den Grieß unterrühren. Zwei Prisen Salz zur Masse geben und sie 30 Minuten quellen lassen.
In einem weiten Topf oder einer großen Pfanne mit hohem Rand Wasser aufkochen und salzen. Die Hitze reduzieren. Aus der Grießmasse mit zwei nassen Teelöffeln ovale Nocken oder kleine runde Klößchen abstechen und ins Wasser gleiten lassen. (Was immer einem besser gelingt, auch gegen unregelmäßige Knubbel ist nichts einzuwenden, sie schmecken ja auch.) Die Menge ergibt je nach Größe 30 bis 34 Klößchen. Bei geringer Hitze 25 bis 30 Minuten gar ziehen lassen.
In der Zwischenzeit in einer großen Pfanne oder einem Bräter Öl oder Ghee erhitzen. Die Zwiebelwürfel darin bei mittlerer Hitze weich dünsten. Knoblauch und Ingwer hinzugeben und einige Minuten mitgaren. Kurkuma hinzufügen und kurz rösten.
Kichererbsen, Brokkoli, Blumenkohl und Süßkartoffeln in die Pfanne geben und unter Rühren fünf Minuten lang dünsten. Mit dem Limettenabrieb, Salz, Pfeffer, Kreuzkümmel, Kardamom und Macis würzen.
Brühe angießen und aufkochen lassen. Kokosmilch hinzufügen und erneut aufkochen. Chashews hineinrühren, Hitze reduzieren und das Ragout bedeckt 15 Minuten simmern lassen, bis das Gemüse weich ist. Limettensaft hinzufügen. Mit etwas Salz und Pfeffer abschmecken.
Die abgetropften Grießklößchen entweder direkt ins Ragout geben oder auf Tellern verteilen und das Ragout darübergeben. Mit frischen Kräutern bestreuen, falls verwendet, und mit Limettenvierteln servieren.

Rezepte ausdenken
Wenn mir Ideen für neue Rezepte kommen, schreibe ich meist ein paar Worte dazu in ein kleines Notizbuch, das ich immer dabei habe. Manchmal bleibe ich mitten in der Stadt abrupt stehen, um im Rucksack nach dem Büchlein zu kramen und eine Idee festzuhalten. Jede Notiz steht auch dafür, dass Essen so viel mehr bedeutet als nur Nahrungsaufnahme. Der erste Gedanke zu diesem Rezept kam mir am Berliner Hauptbahnhof, während ich auf meinen Zug wartete.
Oder besser gesagt: die ersten Gedanken, denn meist kreisen mehrere Rezeptideen wirr durcheinander wie das Treiben auf dem Bahnsteig. Eilige Reisende auf dem Weg zu einem anderen Gleis, das Geräusch rollenden Gepäcks, unterbrochen von lauten An- und Durchsagen, hektische, schwer bepackte Aufbrüche vom mühsam verteidigten Sitzplatz für die Wartezeit, wenn der Zug unerwartet am anderen Ende des Bahnsteigs einfährt. Eine junge Frau in curryfarbener Jacke hastete aus diesem Grund an mir vorbei.
Curry. Ich mag den Geschmack von Currypulver. Gemüsecurry? Oder vielleicht doch mit Geflügel? Tofu. Tofu hatte ich lange nicht. Kann aber auch langweilig sein, so ein Tofu. Doch nicht mit Curry. Hm. Mit Curry ist Tofu praktisch wie mein Koffer mit Rollen. Welches Gemüse? Kichererbsen am Gedankengleis gegenüber. Na toll! Kichererbsen mit Tofu – geht's auch origineller? Tofu fährt ab in die andere Richtung. Was gibt es denn außer Tofu noch? Oder lasse ich Tofu und/oder Fleisch weg und esse einfach Reis dazu? Oh je, nun sind wir von Kichererbsen mit Tofu zu Kichererbsen mit Reis gelangt. Konzentrier Dich mal! Wie denn? Bei dieser Bahnhofsgeräuschkulisse.
Bunt all die Menschen auf dem Gleis. Bunt muss das Gemüse sein. Kochen nach Farben. Bohnen? Grüne Bohnen? Nein, Du wolltest doch Kichererbsen. Möhren. Ach so, ich wollte ja auch was Grünes. Brokkoli. Kohlrabi? Ach, nee. Dann war mit einem Mal die Kombination da. Neben mir auf der Bank saß ein ältere Dame und las in einem Magazin. "Das ist es", sagte ich zu mir selbst, aber laut. Die Dame zuckte zusammen. Ich bat um Entschuldigung und erklärte, dass ich gerade eine Idee hatte. Ich holte mein Büchlein aus dem Rucksack und notierte: Brokkoli, Blumenkohl (gleiche Menge), Möhren, Kichererbsen. Alium: Lauch oder Zwiebel? Der Tofu war unterwegs in irgendein anderes Gericht. Hühnerfleisch hatte den nun vegetarischen Zug verpasst, während meiner ankam.
Mit Rucksack und Rollkoffer war ich auf dem Weg zu meinem Wagen, während ich an verschiedene Gemüsesorten dachte und die Möhren ausnahmsweise wieder loswerden wollte. Mit etwas Verspätung fand Currypulver wieder den Anschluss. Gibt es eine Alternative zu Tofu? Es muss doch irgendetwas geben. Im Zug am Sitzplatz den Koffer nach oben gewuchtet, den Rucksack zu Füßen, den angefangenen Roman auf dem Schoß, die Gedanken bei den Zutaten.
Der Fahrgast neben mir war der zweite an diesem Tag, der zusammenzuckte ob meiner Begeisterung über die eigenen Ideen. "Grieß! Ha!" entfuhr es mir in einem Heureka-Ton, als hätte ich soeben beide Relativitätstheorien Einsteins verstanden. Erneut bat ich um Entschuldigung. "Toll," sagte der freundliche Herr lachend, "Grieß, interessant." Ich holte mein Notizbuch hervor. "Einkaufszettel?" fragte mein Sitznachbar. "Rezeptentwicklung." anwortete ich stolz. Er meinte, dass ein "Rezept" für Grießbrei wohl überflüssig sei, das würde doch immer auf der Packung stehen. Da hatte er einen Punkt. Aber ich wollte keinen süßen Brei, ich wollte Curry und notierte: Klößchen aus Hartweizengrieß mit Curry gewürzt; Gemüseragout mit Kokosmilch, Kurkuma und indischen oder asiatischen Gewürzen oder beidem. Beim Gemüse strich ich Möhren durch und fügte Süßkartoffeln hinzu.
Schon beim Gedanken an die goldgelbe Soße mit dem duftigen, weichen Geschmack der Kokosmilch und an die zarten Grießklößchen empfand ich die Idee zu diesem Gericht als etwas, das einen begrüßt und umarmt. Etwas, dessen inspirierende Aromen man fühlen kann und anstreben sollte. Ein Gericht zum Teilen; ein Ragout wie ein Freund. Denn ein Essen bedeutet all das und so viel mehr.
Dieses Rezept mit seinen Mengenangaben ist eine Partyportion für einen großen Topf. Die Angaben für das Ragout können für eine geringere Menge problemlos halbiert werden. Es lässt sich aber prima portionsweise einfrieren. Grießlößchen dann getrennt aufbewahren oder einfrieren.
Viel Liebe und Aufwand in diesem Blog ⬇
Nach fast acht Jahren: 285 Rezepte, davon mehr vegetarische als mit Fleisch oder Fisch. Dafür: kreativ sein, Rezepte ausdenken, entwickeln, aufschreiben, testen. Verwerfen. Rezepte justieren, neu testen, Texte redigieren. Ach ja, das Texten. Ich schreibe, seit ich einen Griffel halten konnte. Nicht zu schreiben war nie eine Option für mich. Die meiste Zeit meines Berufslebens war Schreiben und Texten die Grundlage meines Einkommens. Weil mir das Schreiben so viel bedeutet, gibt es hier zu manchen Rezepten gründlich recherchierte Geschichten, entweder zum Rezept selbst oder zur Herkunft eines Gerichts.
Jedes hier veröffentlichte Rezept muss mindestens zweimal mit dem gleichen Ergebnis erfolgreich zubereitet worden sein. Kein Erfolg? Keine Veröffentlichung. Schließlich möchte ich nicht, dass es bei den Leser*innen fehlschlägt. Diese Rezepte sollen gelingen und Freude bereiten. Ich habe das Blog "Aufgetischt und angehört" genannt, weil ich ursprünglich neben Essen und Kochrezepten auch über Musik schreiben wollte. Letztendlich habe ich seitdem mehr gekocht als gehört, aber einige Beiträge findet Ihr in meiner Musiksektion. Ich hoffe, ich habe bald mehr Zeit, über Musik zu schreiben. Lest und hört selbst, was ich bislang über Musik veröffentlicht hab, unter dem Menüpunkt "Angehört". Viel Freude beim Nachkochen, Hören und Lesen.