Aus der Form auf eine Servierplatte gestürzt. Sieht etwas zerstört aus, duftet und schmeckt aber köstlich. Fehlt nur noch die Soße.

Einfacher, als viele kleine zu rollen: Ein großer Kloß

Im Ofen röstet ein Knödel und bis der gar ist: Zeit für Geschichte. Am vierten Donnerstag im November feiert Amerika Thanksgiving. Die Tradition soll auf das erste Fest im Jahr 1621 im heutigen Bundesstaat Massachusetts zurückgehen.

In England hatte sich eine Gruppe von der englischen Kirche abgewandt, wofür sie Repressalien und Ausgrenzung erfuhr. Diese Puritaner wanderten zunächst nach Holland aus, wollten aber dann eine Kolonie in der "neuen Welt" gründen. Im September 1620 stachen sie von ihrer südenglischen Heimat Plymouth mit der Mayflower Richtung Nord-Virginia in See. Sturm und Unwetter führten zu einem Umweg und sie landeten schließlich in Pahtuksut. Den Ort ihrer Siedlung benannten sie später nach ihrer Heimatstadt: Plymouth.

Den Winter 1621 sollen sie nur mit der Hilfe der indigenen Bevölkerung überlebt haben. Nachdem sie dank der Unterstützung der Ureinwohner bei der Landwirtschaft eine gute Ernte eingefahren hatten, sollen sie gemeinsam mit dem Stamm der Wampanoag das erste dreitägige Erntedankfest gefeiert haben. Für die Nachfahren des Stammes ist die folkloristische Erzählung wenig romantisch; ihre eigene Sicht auf diese Historie ist im grünen Kasten unten nachzulesen.

So kritisch ich die Geschichte des amerikanischen Thanksgiving-Festes auch sehe, so sehr kann ich mich doch für die Gerichte erwärmen, die traditionell aufgetischt werden. Dass ein Truthahn schon Tage vorm Rösten mariniert werden sollte, dass das gefrorene Teil rechtzeitig dafür aufgetaut werden muss (ca. 12 Stunden lang pro Kilo), dass geplant und organsiert wird, wer wann was zubereitet und dass die halbe Familie den ganzen Tag für das Abendessen in der Küche steht - eigentlich ist es doch schön, alle um einen gedeckten Tisch zu versammeln und dankbar zu sein. Giving thanks.

Viele Bestandteile der üppigen Tafel haben ihre Ursprünge in der Landwirtschaft und der Ernährung amerikanischer Ureinwohner. Die geleeartige Cranberry-Soße etwa: Die indigenen Stämme verwendeten die in Nordamerika endemische Moosbeere als Medizin und zum Konservieren von Fisch und Fleisch. Die Erntezeit ist von September bis Anfang November. Zutaten wie die Beilagen Bohnen und Mais sowie Kürbiskuchen zum Nachtisch haben ihren Ursprung in der Ackerbaumethode der drei Schwestern. Die Süßkartoffel für den mit Marshmallows überbackenen und mit Ahornsirup servierten Brei stammt aus Mittel- und Südamerika.

Statt den Truthahn zu füllen (stuffed turkey), wird er meist ohne Füllung geröstet und die Füllung auf Basis von altbackenem Brot dazu serviert. Der Brotpudding erinnert mich an einen großen Knödel aus dem Backofen. Diese Zubereitungsart erleichtert auch uns die Organisation kommender Festessen zum Ende des Jahres. Statt beim Kochen darauf zu achten, dass das Wasser nicht zu heiß wird und die Kugeln auseinanderfallen, wird eine große Kugel in den Ofen geschoben. Womit wir endlich beim Semmelknödel aus der Überschrift wären, dem perfekten Soßenträger.

Wir brauchen (für zwei bis vier Portionen):

Butter für die Form und zum Andünsten

250 g altbackenes Brot - in mundgerechte Stücke gezupft oder geschnitten (Eine Mischung aus Weizen- und Roggenbrot ist ideal, aber auch Weißbrot oder Brötchen vom Vortag eignen sich.)

1 Zwiebel - fein gehackt
250 ml Milch
50 ml Sahne
1 Ei - Größe L

2 gehäufte EL fein gehackte Petersilie
Muskatnuss
Salz
, Pfeffer

3 EL Sahne
3 EL Mineralwasser mit Kohlensäure

So geht's:

Wenn Brot oder Brötchen nicht altbacken und bereits getrocknet sind, können die Stücke im Ofen bei 190 Grad/170 Grad Umluft etwa zehn Minuten geröstet werden, bis sie knusprig und leicht goldbraun ist, aber nicht zu dunkel.

Eine Backform mit Butter ausstreichen. Die Brotstücke in eine große Schüssel geben.

Die Zwiebel in etwas Butter weich dünsten. Temperatur herunterschalten und Milch und Sahne in die Pfanne geben. Erhitzen, aber nicht brodelnd aufkochen lassen. Über die Brotstücke gießen. Die Schüssel abdecken und die Masse 30 Minuten ziehen lassen.

Ofen heizen auf 190 Grad / 170 Umluft

Das Ei verquirlen, mit Petersilie zur Masse geben und vorsichtig vermengen, ohne alles zu fest zusammenzudrücken. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken.

Die Masse in der Backform verstreichen. Sahne und Mineralwasser mischen und die Oberfläche damit bestreichen.

30 bis 40 Minuten backen. Zum Servieren aus der Form auf eine Servierplatte oder einen großen Teller stürzen. (Keine Sorge, wenn der Brotpudding nicht schick aussieht, er schmeckt trotzdem.)

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Auf der offiziellen Seite des Mashpee Wampanoag Reservats hat Jessie Little Doe Baird die Kontaktgeschichte des Stammes und die furchtbaren Konsequenzen für die Nation zusammengefasst:

"Der Kontakt zwischen Ureinwohnern und Nicht-Ureinwohnern wird oft als einmaliges Ereignis zu einem bestimmten Zeitpunkt betrachtet. Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch um eine fortwährende Erfahrung zwischen den überlebenden indigenen Völkern eines Ortes und denen, die weiterhin ankommen und sich innerhalb und um indigene Gemeinschaften herum niederlassen. Hier ist eine kurze Zeitleiste der Kontaktgeschichte der Mashpee Wampanoag.

1616
Händler aus Europa bringen Gelbfieber in das Gebiet der Wampanoag. Das betroffene Gebiet umfasste alle 69 Stämme der Wampanoag-Nation vom heutigen Provincetown, Massachusetts, bis zur Narragansett Bay, der Grenze zwischen den Nationen der Wampanoag und Narragansett. Zwei Drittel der gesamten Wampanoag-Nation (geschätzt 45.000 Menschen) sterben. Dies bedeutet auch den Verlust ebenso vieler, welche die Sprache bewahrten. Am stärksten betroffen sind Älteste und kleine Kinder, also die für den Erhalt der Sprache kritischen Altersgruppen. Die europäischen Krankheiten gefährden auch die Fähigkeit jedes Stammes, eine Bevölkerung zur Verteidigung seines Territoriums und seiner Kultur aufrechtzuerhalten.

1620
Die Mayflower kommt an im heutigen Provincetown, Massachusetts, und fährt dann über die Cape Cod Bay nach Pahtuksut (heute Plymouth, Massachusetts). Die Pahtuksut Wampanoag nähern sich den Europäern drei Monate lang nicht, aus Angst, dass weitere Krankheiten an Land gebracht werden könnten.

1632
Missionare erreichen das Gebiet der Wampanoag. John Eliot kommt aus Cambridge, England, und beginnt, die Sprache der Wampanoag zu lernen, um religiöse Texte ins Wopanaotaok (die Sprache der Wampanoag) zu übersetzen und die Wampanoag zum Christentum zu bekehren. Dies ist die erste indianische Sprache, die ein alphabetisches Schriftsystem zur Kodifizierung ihrer Sprache verwendet.

1655
Das Harvard Indian College wird mit dem Ziel gegründet, indianische Jugendliche auszubilden. Harvard befand sich zu dieser Zeit in finanziellen Schwierigkeiten und war der Ansicht, dass die Gründung eines Indian College mehr Geld von den Wohltätern in England einbringen würde. Wenn die Wampanoag-Bevölkerung zum Christentum konvertieren und ihr traditionelles Leben aufgeben würde, könnte man sich das Land leicht aneignen, was sich als profitabel erweisen würde."