Einfach und delikat

Wahrscheinlich mein erstes, eigenes "Rezept": Es hat nichts raffiniertes, keinen Knoblauch oder Ingwer, keine angebratenen Senfkörner oder Koriandersamen, nur reichlich Curry Pulver. Bis heute hat dieses Geschnetzelte in seiner köstlichen Einfachheit etwas beruhigendes, komfortables. Und immer noch mag ich gerne den schlichten Curry, den ich in jedem Supermarkt bei den Gewürzen finde. Das Gericht hab ich damals gemacht mit dem, was da war und dem kulinarischen Trend entsprach. Curry Pulver war gerade sehr in und aus irgendeinem Grund gab es immer eine Flasche Sherry im Haus.

Eine einfache Currymischung aus dem Supermarkt gehört also hinein. Aber Sherry und Dosenananas? Tja, 90er halt. Wir trugen Marlenehosen und "oversized" Blazer im Büro und schmale, kurze Schlauchkleider auf Partys.

Die Popkultur der 90er war sportlich. Nicht nur die Mode war geprägt von Sportkleidung, die alltagstauglich kombiniert wurde. Auch in der Musik dominierte die tänzerische Höchstleistung: wer sich im Alter zwischen 12 und 16 Jahren halbwegs koordiniert bewegen konnte, wurde "gecastet". Boygroups sorgten für hysterische Ausnahmezustände bei der zahnbespangten Girlie-Zielgruppe. Ob New Kids on the Block, Backstreet Boys, Take That oder N'sync - alle nach dem immer gleichen Model zusammen gestellt und erfolgreich. Thomas Herrmans hat daraus eine sehr vergnügliche Nummernrevue kreiert: Boybands Forever - empfehlenswert.


Boybands Forever - Die Show


Eine der kommerziell erfolgreichsten Gruppen des Jahrzehnts waren allerdings die hochtalentierten Damen von En Vogue. (Sorry, Jungs!) Ihr "Free Your Mind" ist Schuld an diesem Post. Es lief mal wieder im Radio und mit den Erinnerungen kam mir auch dieses Gericht wieder in den Sinn.

Drei andere Frauen mit exzellenter Stimmführung und Gesangstechnik lieferten in diesem Jahrzehnt hitparadengefällige Hits: Whitney Houston, Céline Dion und Mariah Carey. Demgegenüber standen Haudraufs wie Limp Bizkit und Slipnot, die versuchten, so was wie Death Metall salonfähig zu machen. Der Grunge von Nirvana und Pearl Jam wummerte aus dem Radio - wo ansonsten zu oft "Wind of Change" lief oder "Mambo No. 5", zu viel "Ace of Base", zu wenig Salt 'n' Peppa und zum Glück oft genug Queen.

Wir lernten Italienisch, um bei "Se Bastasse Una Canzone" mitsingen zu können und versuchten Madonnas "Vogue" (mit zweifelhaftem Ergebnis). Rythm war ein Dancer die ganze Nacht mit "Return of the Mack", "No Diggity", und "You lied to me".

Aber da auch damals schon nicht das ganze Leben eine Party war, musste hin und wieder für trostlose Zeiten, Krise und Weltschmerz ein Wohlfühlessen her. Mit Huhn, Curry, Ananas und Sahne.

Wir brauchen (vertraut mir!):

400 g Hähnchenbrustfilet, in mundgerechte Stücke geschnitten und mit Salz, Pfeffer und 2 TL Curry gewürzt
1 Stange Lauch, in Ringe geschniten
2 bis 3 Möhren, in Scheiben geschnitten
1 Dose Ananas, 235 g, Abtropfgewicht 140 - üblicherweise 4 Scheiben; die Scheiben in Stücke teilen, Saft aufheben
optional: 100 g Kaiserschoten, je nach Größe in je 2 oder 3 Stücke geschnitten
Currypulver
Chiliflocken oder optional frisch, nach Geschmack
optional: Kurkuma
Salz, Pfeffer, Öl zum Anbraten
Sherry
200 ml Sahne

Dazu: Reis

So geht's:

Sobald der Reis im kochenden, gesalzenen Wasser ist (1 Kaffeebecher Reis, 2 Becher Wasser), eine Pfanne heiß werden lassen.

Zunächst Lauch, Möhren und Kaiserschoten, falls verwendet, anbraten und dabei leicht salzen.

Gemüse zuerst - im Topf hinten gart der Reis

Aus der Pfanne nehmen und die Fleischstücke braten, dabei völlig durchgaren. Dies kann bei nicht zu großer Hitze 10 Minuten dauern. Gemüse wieder hinzu geben.

Pfanneninhalt mit 4 cl Sherry ablöschen und die Flüssigkeit reduzieren lassen. Dann Ananassaft und Sahne hinein gießen und aufkochen lassen. Chiliflocken, weitere 2 EL Currypulver und, falls verwendet, 1 TL Kurkuma hineinrühren. 3 bis 5 Minuten leicht köcheln lassen. Ananasstücke hinzu geben und heiß werden lassen. Abschließend abschmecken, meist kann jetzt noch etwas Salz dazu.

Der Reis sollte zeitgleich fertig sein.

Return of the Mack und des Neunziger Currys!

Guten Appetit!