
Nudeln, Gemüse und Kerne schmurgeln unter Käse
Immer, wenns kühler wird: Der Wetterumschwung lässt mich an einen Jahrzehnte zurückliegenden Ausflug in die Dolomiten denken. Wir waren Oberstufen-Teenager auf einer wunderschönen, harmonischen und frohgelaunten Klassenfahrt. Ich erinnere mich an eine Wanderung durch die Berge bei mildem Frühlingswetter. Doch während wir abends in die Herberge zurückkehrten, gab es einen Wintereinbruch mit sinkenden Temperaturen. Wir zogen uns dicke Socken und Strickjacken an für das Abendessen im Gemeinschaftsraum. Die Herbergsmutter, eine zierliche, kleine Italienerin, deren Enkelkinder bereits bei der Bewirtschaftung der Herberge halfen, wusste Abhilfe. Sie versprach uns ein wärmendes Abendessen.
Sie verwendete dafür eine Nudelform, die ich zuvor nie gesehen hatte: dicke Ringe, Calamarata. Es war ein einfacher Auflauf, aber so wärmend und gut und schmackhaft. Bis heute erinnere ich mich dankbar an diese liebe Herbergsmama, bei der ich ein kleines bisschen kochen lernte. Immer wenn ich Nudeln und Gemüse für einen Auflauf zusammen in einem Topf koche, denke ich an sie.
Dieser Auflauf ist gut vorzubereiten und eignet sich prima für Gäste. Für weniger, zum Beispiel vier Portionen, können die Zutaten einfach halbiert werden. Die Garzeit bleibt dann die selbe.
Wir brauchen (für sechs bis acht großzügige Portionen):
Etwas Butter für die Form
200 g Calamarata oder Rigatoni
1 bis 2 Kohlrabi, insgesamt ca. 500 g - geschält und in Würfel geschnitten
1 Stange Lauch - längs halbiert und klein geschnitten
100 g Kürbiskerne
1 bis 2 Süßkartoffeln, insgesamt ca. 500 g - geschält und in Scheiben geschnitten
Salz, Pfeffer
Muskatnuss
1 gehäuften TL getrocknete italienische Kräuter
etwas mildes Chilipulver wie Pul Biber - nach Geschmack
200 ml Sahne oder Pflanzencreme
1 bis 2 dicke Fleischtomaten - in Scheiben geschnitten
200 g geriebener Käse (Gouda, Tilsiter, Mozzarella oder eine Mischung verschiedener Sorten)
So geht's:
In einem sehr großen Topf Wasser zum Kochen bringen und kräftig salzen. Die großen Nudeln, die in der Regel 15 Minuten Kochzeit haben, etwa zwei Minuten kürzer kochen als auf der Packung angegeben. Sie garen im Auflauf weiter. Wenn die Nudeln fünf Minuten gekocht haben, Süßkartoffelscheiben, Kohlrabiwürfel und Lauch dazu geben und mitgaren. Abschütten und gut abtropfen lassen.
Backofen heizen auf 190 Grad / 170 Umluft
Eine große Backform buttern. Den gekochten Nudel-Gemüse-Mix im Abtropfsieb kräftig mit Salz, Pfeffer, Muskatnuss, getrockneten Kräutern und den Kürbiskernen mischen. Alles in die Form geben. Sahne angießen und die Tomatenscheiben auf dem Auflauf verteilen. Käse darüber streuen.
Auflauf 30 Minuten backen und vorm Servieren fünf Minuten abkühlen lassen.
Wenn es in einem warmen Frühling oder heißen Sommer vorübergehend kühler wird, denke ich an Schuljahre. Bei mir zu Hause wurde selten gekocht. "Richtiges" Essen bekam ich eher bei den Eltern von Schulfreundinnen und Klassenkameraden, bei denen ich mittags nach der Schule oder zwischen zwei Unterrichtseinheiten zu Gast war. Ein besonderes Erlebnis waren von klein auf immer die Einladungen zu Arbeitskolleg*innen meiner Mutter.
Wann immer ich irgendwo in in einer Küche jemandem zusehen konnte, wollte ich alles lernen und sog es auf wie weiches Brot eine Suppe. Und diese kleine, temperament- wie liebevolle Herbergsmama war meine erste praktische Kochlehrerin. Sie zeigte mir, wie Zwiebeln gehackt, hartgekochte Eier unter fließendem Wasser geschält und Salzkartoffeln tatsächlich mit sehr wenig Wasser gekocht und nicht, wie damals bei mir zu Hause, im Topf komplett mit Wasser bedeckt werden müssen. Auch die Idee, Gemüse für einen Auflauf mit den Nudeln zu kochen, hab ich mir bei ihr gemerkt. Ich lernte, dass eine Bechamel ohne Mehl in Butter anschwitzen funktioniert wie hier.
Sie kochte uns meterlange Spaghetti und schaute lachend zu, wie wir uns glucksend vor Essvergüngen damit abmühten. Bis heute mache ich meine Bolognese so, wie sie es mir damals gezeigt hat. Sie bereitete uns abends heiße Schokolade in einem riesigen Kochtopf zu - ein Geschmack, der bis heute in meiner Wahrnehmung gleichbedeutend ist mit Zuneigung Fürsorge. Aufwachsend und mich früh emanzipierend vom schlechten Zuhause, gab es für mich nicht viele gute Zeiten in meiner Jugend. Diese paar Tage in den Bergen, die Zeit der langen Spaghetti, der Bolognese, des süßen Kakaos und wärmenden Auflaufs gehört zu den besten in meinem Erinnern an alle guten Zeiten.